Bei näherer Betrachtung offenbart sich das schweizerische Autobahnnetz als ein nahezu hermetisch abgeschlossenes System. Über eine Gesamtlänge von rund 3’500’000 Laufmetern umgibt ein knapp zwei Meter hoher Zaun die Verkehrsadern des Landes und trennt sie konsequent von ihrer Umgebung. Diese physische Barriere schützt nicht nur den Verkehrsraum, sondern markiert zugleich eine klare Grenze zwischen Infrastruktur und Landschaft, zwischen menschlicher Mobilität und der Welt von Flora und Fauna.

Jede Beschädigung dieses Schutzsystems wird umgehend registriert und provisorisch geschlossen, um innerhalb kürzester Zeit fachgerecht repariert zu werden. Die Integrität des Zauns ist dabei kein nebensächliches Detail, sondern eine Voraussetzung für den scheinbar selbstverständlichen, reibungslosen Verkehrsfluss. Was im Alltag kaum wahrgenommen wird, erweist sich als präzise gewartete Kontrollstruktur, deren lückenlose Funktion das Fundament unserer Mobilität bildet.

Die fotografische Arbeit richtet den Blick auf diese unscheinbaren Randzonen der Autobahn – auf Orte, an denen sich Ordnung, Kontrolle und Reparatur manifestieren. Indem sie das System dort untersucht, wo es verletzlich wird, macht sie die permanente Anstrengung sichtbar, mit der ein Zustand von Stabilität und Normalität aufrechterhalten wird.

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roger frei